„Der Rikscha-Reporter” ist wieder unterwegs

Viel gibt es nicht mehr davon - Fahrrad-Rikscha in Singapur. Foto: Jürgen Kremb

Das war eine lange Pause. Aber jetzt fährt die Rikscha wieder. Als Nachfolge der SPIEGEL-Kolumne “Rikscha-Report”, hier nun ab sofort der Blog von Jürgen Kremb über Asien: DER RIKSCHA-REPORTER.

Wir, das sind der Herausgeber des Rikscha-Reporter, Helfer und Gastautoren, haben den besonderen Blick auf Asien und gingen am Mittwoch, den 12. Mai 2021, „offiziell online“. Wenn man das überhaupt so beschreiben kann. Denn seit Ende des letzten Jahres experimentierten wir hier ja schon mit einer „Beta“-Version des Blogs, schraubten an der Technik, dem Layout und den Inhalten.

Da es dazu erstaunlich viel positives Feedback gegeben hat, haben wir uns unlängst entschlossen, im Backend der von uns verwendeten Plattform WordPress endlich das entscheidende Häkchen zu setzen, das Suchmaschinen erlaubt, den „Rikscha-Reporter“ zu indexieren, das heißt im Internet zu finden. Und seit gestern kann der Blog mit einem RSS-Feed auch abonniert werden.

Und jetzt?

Wir schreiben fortan hier über Politik in China, Japan und Indonesien, über Asien von Nordkorea bis zu den Malediven. Dazu etwas Wirtschaft, Hintergründe, Analysen, viel Meinung, hoffentlich auch Reportagen – wenn man wieder reisen kann – und auch Literatur sowie Kunst.

Ziemlich viel Anspruch für ein Projekt, das sicher nicht das Haupt-Tagwerk aller Beteiligten sein wird? Stimmt! Deshalb freuen wir uns über die Unterstützung jedes kundigen Gastautoren und jeder Gastautorin, von Informanten und anderen Helfern.

Deshalb vielen Dank an Bertil Lintner und Kerstin Duell, die ihr Expertenwissen zu Myanmar in den letzten Wochen beigesteuert haben.

Anfangs kommt das hier vielleicht etwas mit einer sinologischen Brille daher. Schließlich nimmt die chinesische Welt einen nicht unerheblichen Teil meiner Biografie ein. Aber wir haben auch Analysen zur Islamisierung Südostasiens zu bieten, wissen etwas über Alltagsleben und Geschichte in diesem dynamischsten Kontinent und vieles mehr.

Was wir nicht haben, ist eine Bezahlschranke, dafür bieten wir viel Fachwissen und Information, Kommentare und Hintergründe, Reisereportagen und auch etwas Satire. Einfach alles, um die Welt zwischen Tokio und Mumbai, von Peking bis Jakarta den deutschsprachigen Lesern ein bißchen näherzubringen.

Dazu werden wir auch ein wachsames Auge auf die Asienberichterstattung der deutschen Medien werfen. Wo kann das Berichtete gar nicht stimmen? Wo sollten wir unsere Stimme erheben, wo mitdiskutieren oder auch loben, wenn etwas heraussticht? Bei der Fülle, was täglich in deutschen Medien über Asien erscheint, kann das natürlich nur eine Auswahl und zwar eine sehr willkürliche, von uns selbst bestimmte Auswahl sein.

Dennoch und ganz wichtig, wir sind keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu der oft hervorragenden Berichterstattung der deutschsprachigen Medien aus und über Asien. Mehr können und wollen wir auch gar nicht leisten. Denn der Rikscha-Reporter ist nicht nur ein „low-cost“-, sondern auch ein „not-for-profit“-Projekt.

Eine Sonderrolle nimmt die Artikel-Serie „Mein SPIEGEL-Tagebuch“ ein. Bei Vorträgen, Seminaren und Auftritten wurde ich immer wieder gefragt, wie vor zehn, 20 oder gar 30 Jahren die Asien-Berichterstattung aussah. Das soll in „Mein SPIEGEL-Tagebuch“ erklärt werden. Es geht darum nicht um trockene politische Analyse, vielmehr sollen auch Anekdoten erzählt werden, Begebenheiten, die aus dem Tag heraus größere Zusammenhänge erklären. Nicht immer wird das Eine auf das Andere aufbauen, etwas Sex (…???… nein, das nicht) aber Drugs and Rock-‚n‘-Roll gibt es auch dazu. Und das wird sich mit Erklärstücken und Hintergründen den Platz teilen.

Mit dem in chinesischer Haft verstorbenen Friedensnobelpreisträger und Familienfreund, Liu Xiaobo.

Es geht um Verfolgungsjagden mit der Staatssicherheit bei Nacht in Peking und wie man sich aus einer angedrohten Enthauptung in Indonesien von islamischen Extremisten herausredet – ohne Gewalt und Pulverdampf, wenn auch mit viel Schweiß. Und auch um die Frage, warum Journalisten eigentlich grundsätzlich keine Waffe tragen, auch in Kriegsgebieten nicht, es einige aber trotzdem tun.

Viele Leser wollen auch wissen: „Wurde nur von oder auch vor Claas Relotius im SPIEGEL schon gefälscht?“ Das möchte ich in loser Folge einmal erzählen. Und als Antwort schon mal vorab: „Ja, das wurde es.“ Wie? Im südostasiatischen „Singlish“-Slang würde man sagen: „Same, same but different.“ Aber es braucht ein paar Folgen, das alles zu erklären und zurechtzurücken.

Der chinesische Literaturnobelpreisträger, Mo Yan, bei uns zuhause in Peking als liebevoller „Babysitter“.

Darüber habe ich auch mit vielen Ex-Kollegen gesprochen. Einige davon haben den SPIEGEL im Groll verlassen und wollen darüber auspacken. Andere stehen kurz vor dem Ruhestand und möchten sich in den letzten Monaten oder Jahren nicht ihren Anspruch auf die Rente vermiesen und erst nach einer Weile auspacken. Ob das nur leere Versprechungen von Maulhelden sind oder altgediente Journalisten, denen an der „Wahrheit und nichts als der Wahrheit“ gelegen ist, wie DER SPIEGEL das sich seit gut zehn Jahren zu seinem Motto erkoren hat, das wird die Zeit weisen.

Zudem möchten wir unseren Lesern einen bescheidenen Nachrichten-Mehrwert aus Asien generieren. Das soll mit der Rubrik „Asien verlinkt“ bzw. „Asien-Presseschau“ geschehen. Dies ist ein schneller Überschriften-Klick durch die englischsprachige Presse, der vermitteln soll, was in Süd-, Südost- und Ostasien gerade wichtig ist. In der Beta-Version sind wir damit an jedem Wochentag erschienen.

Aber, das verlangte ehrlicherweise mehr Arbeit, als wir gegenwärtig leisten können. Fortan erscheint „Die Asien-Presseschau“ deshalb jetzt nur jeden Montag, Mittwoch und Freitag – an Feiertagen nicht.

Burmesischer Kindersoldat. Fotos: Jürgen Kremb bzw. rechtfrei.

Und noch etwas: wie jede Art von Journalismus ist der „Der Rikscha-Reporter“ kein Stück Wissenschaft. Wir versuchen schnell und viel zu schreiben und machen deshalb auch Fehler, vertippen uns, begehen Fehleinschätzungen und einige Dinge wissen wir schlechthin nicht. Was wir aber mit Sicherheit nicht machen, das können wir versprechen, ist wider besseres Wissen die Unwahrheit zu schreiben, oder Journalismus mit Umerziehung, Indoktrination und Aktionismus zu verwechseln.

Eine Meinung zu den Dingen haben wir trotzdem, meist sogar eine klar dezidierte Meinung. Deshalb freuen wir uns über jede Art konstruktiver Kritik. Aber konstruktiv und angemessen muss sie sein! Miesepeter gibt es schon genug in der Welt der Medien, so dass wir sie nicht auch hier noch veröffentlichen müssen.

Mai 2021 – Euer Rikscha-Reporter,

Jürgen Kremb

Über den Autor

Jürgen Kremb
ist ein deutscher Autor, Journalist und Auslandskorrespondent, der vorwiegend zu Asien, Menschenrechten und den Sicherheitsdiensten publiziert. Er studierte und lehrte Ostasienwissenschaften (Japanologie, Sinologie, Tibetologie), Volkswirtschaft und Journalismus an der FU Berlin sowie an der Pädagogischen Hochschule in Taipei/ Taiwan. Als Autor schrieb er für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften im deutschsprachigen Raum. Dazu berichtete er für dpa, den Hörfunk und leitete mehr als zwei Jahrzehnte die SPIEGEL-Redaktionsvertretungen in Beijing, Singapur und Wien. Heute lebt Jürgen Kremb als Berater und Startup-Unternehmer in Wien und meist Singapur, von wo er sich gelegentlich auch für die NZZ und das Handelsblatt meldet.

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