Ein falsches Gedicht und schon ist eine chinesische Firma 21 Milliarden Euro los. Singapur fährt die Corona-Schutzmaßnahmen wieder hoch. (Die Asien-Presseschau vom 12. Mai 2021)

Japan Today. 12. Mai 2021. Screenshot.Japan Today. 12. Mai 2021. Screenshot.

Wahrscheinlich war dies das teuerste Gedicht aller Zeiten. Nein, wir reden hier nicht über Honorar für besonders schöne Reime oder gehypte Preise für seltene, antike Schriftrollen. Vielmehr geht es um eine Art Strafe, besser Abstrafung für ein Gedicht. Eine wahrhaft irre Geschichte, wie sie sich dieser Tage nur im irren Reich des roten chinesischen Kaisers namens Xi Jinping ereignen kann.

Konkret geht es um 28 chinesische Zeichen, die Wang Xing, der CEO des chinesischen Tech-Giganten Meituan auf einer obskuren Social-Media-Plattform gepostet hatte. Drei Tage später war Wang persönlich um rund zwei Milliarden Euro ärmer und seine Firma 21 Milliarden Euro weniger wert. Wie kann das gehen?

Nun es begann am Sonntag, Muttertag also. Und Wang postete mehrere tausend Jahre alte chinesische Verse über die fehlgeleiteten Versuche von Chinas erstem Kaiser, Andersdenkende zu unterdrücken. Ein Teil des Gedichts lautete: „Bevor die Asche kalt wurde, war östlich der Berge eine Rebellion entstanden.“ Klingt anmutig!

Aber so etwas nimmt der amtierende chinesische Kaiser Xi Jinping ziemlich schnell persönlich. Denn er glaubt, immer wenn vom Kaiser oder Herrscher in China die Rede ist, dann sei er höchst selbst gemeint. Und deswegen lässt er alles aus dem chinesischen Internet, Zeitungen und auch Schulbüchern verbannen, was auch nur im Entferntesten nach Kritik an ihm aussieht. Majestätsbeleidigung mag Xi gar nicht. Dafür wandert man(n) und frau auch schnell mal ins Gefängnis.

Und sollte die Kritik von dem Besitzer oder Führungspersonal einer großen Firma stammen, dann wird das Unternehmen gleich mit abgestraft. Vielmehr die berühmte unsichtbare Hand des Marktes, in diesem Falle die nackte Panik chinesischer Anleger, spielt in einem Akt des vorauseilenden Gehorsams bei der Pose schön brav mit.  

Ziemlich viel Geld, aber lächerlich wenig im Vergleich zu Meituan, hat auch der japanische Nissan-Konzern verloren. Aber aus ganz anderen Gründen. Der krisengeschüttelte japanische Hersteller teilte gestern mit, dass der Nettoverlust im abgelaufenen Geschäftsjahr sich auf umgerechnet 3,37 Mrd. Euro belaufe. Es ist nicht nur die Corona-Krise, die dem ohnehin kränkelnden Unternehmen zusetze, sondern ähnlich wie bei deutschen Autobauern verhagelt jetzt auch der Mangel an Halbleitern dem japanischen Hersteller das Geschäft.

Landestypisch verhalten sagte ein Sprecher des Unternehmens, dass die Produktion wegen der Versorgungsengpässe mit Halbleitern betroffen sei, lehnte es aber ab, Details zu nennen.

Nur so viel: „Für das laufende Jahr erwartet Nissan in den roten Zahlen zu bleiben.“ Der Versorgungsengpass hat Nissan dazu veranlasst, die Produktion im eigenen Land zu reduzieren und rund 800 Arbeiter in Großbritannien zu entlassen, so japanische Medienberichte.

Volkswagen ließ letzte Woche verlauten, dass die Chip-Knappheit die Produktion beeinträchtigt habe und in den kommenden Monaten eine „größere Auswirkung“ haben wird. US-Hersteller Ford erwartet, dass die Lieferengpässe die Autoproduktion im zweiten Quartal halbieren werden – wobei das Problem möglicherweise nicht vor 2022 gelöst sein wird.

Düstere Zeiten und noch ist besonders in Asien kein Ende der alles beherrschenden Covid-19-Pandemie abzusehen. Selbst Taiwan, dass bisher ohne Lockdown durch die Krise gekommen war, erwägt nun das öffentliche Leben für ein paar Wochen runterzufahren.

In Singapur, ebenfalls ein Musterschüler in der Pandemiebewältigung, durchziehen neue Entzündungsherde die Stadt. Als Sicherheitsmaßnahme wurde bereits das Terminal Drei des internationalen Flughafens Changi geschlossen. Die Regierung lässt bereits durchblicken, dass die Corona-Sondermaßnahmen im gesamten Jahr 2021 bestehen bleiben werden.

Die Links dazu anbei, in den Asien-News-Highlights aus den englischsprachigen Tageszeitungen in Süd-, Südost- und Ostasien sowie anderen Weltregionen.*

Geopolitics:

Taiwan not invited to WHA for fifth consecutive year – Focus Taiwan

China’s demographic dividend persists to underpin economy despite shrinking workforce – Global Times

China + Taiwan + Hong Kong:

Meituan: China tech giant’s shares slide over ancient poemBBC News-Asia

Business China. Amcham: China still priority market for US firms – China Daily

Police chief refuses to rule out ban on biggest protest group in Hong Kong – Hong Kong Free Press

Hong Kong journalist injured in ‘drive-by’ baseball bat attack. Press body expresses anger at broad daylight assault on reporter from The Epoch Times, a newspaper which is often critical of Beijing.  – Hong Kong Free Press

CORONAVIRUS/Taiwan could raise COVID-19 alert to near-lockdown level in coming days – Focus Taiwan

Covid-19 + Vaccine:

Scientists race to study variants in India as cases explodeJapan Today

Covid-19 desperation is spreading across India – Straits Times

Indian doctors warn against cow dung as COVID cure – Reuters

Bangladesh. Eid is here, joy is not – The Daily Star

India. Family members turn their backs on loved onesThe Statesman

India’s Covid situation nothing short of heartbreaking: Kamala Harris – The Statesman

Nepal. Human Rights Watch calls on Nepal government to act urgently to avert a looming Covid-19 crisis – Kathmandu Post

Philippines. First 2 COVID-19 India variant cases in PH confirmed – Inquirer

Vietnam. Indian coronavirus variant found in COVID-19 cases linked to National Hospital for Tropical Diseases – Vietnam News 

Global Times/ China. 12. Mai 2021. Screenshot.

Myanmar Crisis:

Myanmar’s junta is wobbling. The NUG must be allowed to topple it – Southeastasia Globe

Thai court frees Myanmar journalists from threat of swift deportation – The Nation

100th Day. Myanmar marks 100 days of junta rule with protests – Reuters for  The Daily Star

ASEAN Chair, Secretary General to visit Myanmar next week – Eleven Media

Business + Economy:

Nissan trims annual net lossJapan Today

Ecommerce India. Flipkart to ramp grocery operation for contactless delivery – The Statesman

Ecommerce Indonesia. Shopee reigns over Indonesia’s e-wallet market with price cuts, good looks – Jakarta Post

Tech Malaysia. SoftBank enters Axiata’s digital marketing armThe Star

Business Vietnam. Thai conglomerate reports 34 per cent growth in revenues in Vietnam – The Nation

Climate + Environment:

Opinion: Asia’s plastic pollution crisisInquirer 

Domestic:

Anti-Asian. Opinion: Go back to your country!Korea Herald

Publisher slams gov’t handling of virus in 3 newspaper ads – Japan Today

Malaysian police warn of drones, surprise visits to ensure Covid-19 MCO compliance during Hari Raya  – Straits Times

Culture:

Himalaya. 19-year-old Shehroze Kashif becomes youngest Pakistani to summit Everest Dawn

Crime + Law:

Trafficking Cambodia. Human trafficking cases surge in early 2021 amid economic distress – Phnom Penh Post

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Über den Autor

Jürgen Kremb
ist ein deutscher Autor, Journalist und Auslandskorrespondent, der vorwiegend zu Asien, Menschenrechten und den Sicherheitsdiensten publiziert. Er studierte und lehrte Ostasienwissenschaften (Japanologie, Sinologie, Tibetologie), Volkswirtschaft und Journalismus an der FU Berlin sowie an der Pädagogischen Hochschule in Taipei/ Taiwan. Als Autor schrieb er für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften im deutschsprachigen Raum. Dazu berichtete er für dpa, den Hörfunk und leitete mehr als zwei Jahrzehnte die SPIEGEL-Redaktionsvertretungen in Beijing, Singapur und Wien. Heute lebt Jürgen Kremb als Berater und Startup-Unternehmer in Wien und meist Singapur, von wo er sich gelegentlich auch für die NZZ und das Handelsblatt meldet.

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