Wie ein aufgeplusteter Professor Chinas Fünfte Kolonne in den USA verriet

Wie ein aufgeblasener Professor Chinas fünfte Kolonne in den USA verriet

Der Mann heißt Di Dongsheng (chin: 翟东升) und ist so etwas wie ein bunter Hund unter Chinas Politologen. Spezialgebiet internationale Beziehung. Eloquent, recht telegen hat er Gastprofessuren an einigen renommierten europäischen und amerikanischen Hochschulen vorzuweisen. Auch ausländische Korrespondenten zitieren ihn gerne, weil er in der Regel ohne Schaum vorm Mund die Meinung der chinesischen Führung zur Weltpolitik wiedergibt. Mit gerademal 44 hat er es deshalb schon zum Vize-Dekan an der Abteilung für Internationale Beziehungen an Pekings renommierter Volksuniversität (人民大学) gebracht.

Jetzt ist Professor Di krachend über die eigene Hybris gestolpert. Denn vor Studenten in Shanghai prahlte er am 28. November 2020 wie sich die chinesischen Kommunisten Einfluss bis in die höchsten Machtzirkel der USA gekauft haben. Alles wurde life gestreamt, das wusste er. Aber so ticken Großmäuler eben – Hochmut kommt ja bekanntlich vor dem Fall.

„Joe Bidens Sohn…, den hat China bezahlt.“

Zur Administration von Trump wären die Beziehungen ja nicht so gut gewesen, tönte der Professor. Aber mit Hilfe der Wall Street sei man im Team von Joe Biden wieder „zurück im Spiel“. – „Was glaubt ihr,“ meint er noch, „woher das Geld für die Stiftung von Joe Bidens Sohn Hunter kommt?“  Den hat China bezahlt. (Auszüge der Rede unter: „Der Rikscha-Reporter – alle Video-Links auf einen Blick:“)

Als das Video in Chinas sozialen Medien schnell viral ging, versuchten Pekings Propagandazaren noch das Material zu löschen. Aber zu spät, der Clip machte bereits im Ausland die Runde. Di ist erstmal in die staatlich verordnete Versenkung verschwunden. Ob auch sein Job weg ist, wird sich weisen.

Das Schlimme ist aber nicht die peinliche Bauchlandung des Professors, sondern die Reaktion des Publikums. Vorwiegend junge Leute, wahrscheinlich Studenten und angehende Wissenschaftler. Sie sind begeistert, lachen und klatschen, dass sich ihre Regierung der Korruption, Durchstecherei und Manipulation bedient, um sich weltweit Einfluss zu erkaufen. Was für eine Generation wächst da heran, der erzählt wird, dass es für die Vorherrschaft der Partei und des Vaterlands keine moralischen Grenzen gibt?

Über den Autor

Jürgen Kremb
ist ein deutscher Autor, Journalist und Auslandskorrespondent, der vorwiegend zu Asien, Menschenrechten und den Sicherheitsdiensten publiziert. Er studierte und lehrte Ostasienwissenschaften (Japanologie, Sinologie, Tibetologie), Volkswirtschaft und Journalismus an der FU Berlin sowie an der Pädagogischen Hochschule in Taipei/ Taiwan. Als Autor schrieb er für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften im deutschsprachigen Raum. Dazu berichtete er für dpa, den Hörfunk und leitete mehr als zwei Jahrzehnte die SPIEGEL-Redaktionsvertretungen in Beijing, Singapur und Wien. Heute lebt Jürgen Kremb als Berater und Startup-Unternehmer in Wien und meist Singapur, von wo er sich gelegentlich auch für die NZZ und das Handelsblatt meldet.

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