Asien lacht über Song zu Chinas pinke Troll-Armee. Und Joe Biden sagt: „Ja, wir werden Taiwan gegen China verteidigen.“ (Die Asien-Presseschau vom 22. Oktober 2021)

YouTube. Musikvideo "Fragile".Screenshot.YouTube. Musikvideo "Fragile".Screenshot.

Heute geht es hier bei der Asien-Presseschau etwas witziger zu. Vielmehr es geht um Spott, bitterbösen Spott, den ein malaysischer Schauspieler und Rapper mittels einer musikalischen Posse über China ausbreitet. Dessen regierende Kommunisten tragen ja bekanntermaßen nicht das geringste Gen im Leibe, das ihnen gestatten würde, Kritik oder gar Satire zu verarbeiten, geschweige denn zu ertragen.

Aber der Reihe nach. Knapp eine Woche nachdem der in Taiwan lebende Entertainer Namewee (黃明志) seinen jüngsten Song „Fragile“ (玻璃心) – deutsch für „zerbrechliches Herz aus Glas“ – mit der australischen Sängerin Kimberley Chen (陳芳語) veröffentlicht hat, geht das Musikvideo davon in Süd- und Südostasien durch die Decke.

„Fragile“ macht sich irrsinnig amüsant über die Troll-Armee Chinas lustig, deren selbsternannte Soldaten millionenfach im Internet unterwegs sind und alles und jeden angreifen, von dem sie glauben, dass es eine „Beleidigung des chinesischen Volkes“ darstelle oder sonstwie gegen die Interessen der chinesischen Kommunisten verstoße. Diese Truppe von Ultra-Nationalisten heißen in China „Xiao Fenhong“ (小粉红),die „kleinen Rosaroten“. Und deswegen ist das gesamte Musikvideo, das damit beginnt, dass ein mürrischer Pandabär sich aus einer Art Hundehütte trollt, in Pink gehalten.

Im Clip sehen wir Namewee und Chen in rosa Kleidung und mit herzförmigen rosa Brillen, wie sie an leicht beleidigte Internetnutzer appellieren: „Du bist ein schlechter Zuhörer, aber du kannst nicht aufhören zu reden und dich zu rächen. Ich frage mich, wie ich dich beleidigt habe. Du nimmst an, dass die Welt dein Feind ist.“ Weiter heißt es in dem Lied: „Du behauptest, dass ich zu dir gehöre.“ An anderer Stelle heißt es: „Höre auf, die ganze Welt zu bestehlen.“

Auch wenn der Text das nicht explizit anspricht, so ist er doch eine offensichtliche Anspielung auf Chinas Beziehung zu Taiwan, Pekings weitreichende Souveränitätsansprüche im Südchinesischen Meer und die Unterdrückung von Andersdenkenden.

Im Refrain singt Kimberley Chen: „Entschuldigung, Entschuldigung, ich bitte um Entschuldigung“. Auch das eine giftige Persiflage auf all jene chinesischsprechenden Künstler, Schauspieler, aber auch Geschäftsleute, Firmen sowie ausländische Politiker, die glauben, sich ständig für irgendetwas entschuldigen zu müssen, was den chinesischen Internetmob, Pekings Zensoren oder die „zerbrechlichen Herzen aus Glas“, die chinesischen KP-Oberen stören könnte.

Wenige Tage nachdem sie in China verboten wurde, steht die Mandarin-Ballade auf Platz 1 bei YouTube in Taiwan und Hongkong. Heute Morgen, Freitag, 22. Oktober, wurde das Lied schon über 11,6 millionenmal aufgerufen. Es ist laut Kworb, einer Website, die Musikdaten aus der ganzen Welt analysiert, seit Donnerstagmittag auch in Malaysia auf Platz 3.

Daraufhin bedankte sich Namewee bei allen, denen das Lied gefallen hat: „Was auch immer der Grund war, warum du den Song magst, ich habe kein Problem damit. Du bist die Person, nach der ich suche, egal ob du dich glücklich oder unglücklich fühlst, nachdem du den Song gehört hast.“

Die Untertitel sind in Chinesisch, Englisch und Malaysisch gehalten. Das Video in voller Länge ist hier zu finden:

Namewee, der für seine satirischen Lieder bekannt ist, die sensible soziale und politische Themen ansprechen, ist ein preisgekrönter Hip-Hop-Künstler, der bei den Golden Melody Awards in Taiwan dreimal als bester männlicher Mandarin-Sänger nominiert wurde.

In seinem Heimatland Malaysia hat er bereits Kontroversen ausgelöst. Mehrere seiner Musik- und Filmveröffentlichungen führten zu Verhaftungen, nachdem die Behörden die Werke des Rassismus, der Beschädigung des Ansehens Malaysias und der Beleidigung des Islam beschuldigt hatten.

Hier noch ein weiterer, bitterböser Hit des Sino-Rappers. Genauso komisch, genauso bissig wie „Fragile“ – China Reggaeton:

Gar nicht komisch ist aber das folgende YouTube-Video, auf das wir gerne hinweisen. Es ist die Geschichte von Desmond Shum einem chinesischen Tycoon und Dollar-Milliardär, der früher in den höchsten Kreisen der Kommunistischen Partei Chinas verkehrte. Über Nacht verschwand dann seine Frau, ähnlich wie auch der Alibaba-Gründer Jack Ma oder andere Prominente, die den KP-Fürsten in die Quere gekommen sind. Shum konnte sich noch rechtzeitig mit dem gemeinsamen Sohn nach London absetzen.

Als er jetzt ein Buch über Korruption in der KPCh herausbringen wollte, meldete sich seine Frau nach vier Jahren erstmals wieder telefonisch und drohte: „Er spiele mit dem Leben seines Kindes.“ Offenbar war sie von chinesischen Geheimdienstlern unter Druck gesetzt worden. Mit 60 Minuten ist der Beitrag recht lang, aber sicher das Richtige, um zu verstehen, wie sich China unter Xi Jinping von einem Reformsozialismus in eine neofaschistische Geheimdienstdiktatur verwandelt hat. (Video s.u. am Ende der Presseschau.)

Verschwundene chinesische Milliadärin. Screenshot YouTube.

Apropos Wochenende. Morgen, Samstag 23. Oktober, ist hier auch ein längerer Essay des ehemaligen Politischen Direktors des Auswärtigen Amtes, Volker Stanzel zu lesen. Der frühere deutsche Botschafter in Peking und Tokio ist derzeit sicher einer der renommiertesten Asienkenner des Landes. Und wir sind wirklich sehr erfreut, dass er seine Betrachtungen zum Regime von Xi Jinping vor dem Hintergrund der chinesischen Geschichte bei uns veröffentlicht. Morgen, Schlag 10.00 Uhr, hier auf dem Rikscha-Reporter.

Mehr Links anbei aus den englischsprachigen Tageszeitungen in Süd-, Südost- und Ostasien sowie anderen Weltregionen.*

Geopolitics + South China Sea + Diplomacy:

Biden says ‘yes’ US would defend Taiwan against China. The United States made a „sacred commitment“ to defend NATO allies in Canada and Europe and it’s the „same with Japan, same with South Korea, same with Taiwan,“ US President Joe Biden has said. – Hong Kong Free Press

Focus Taiwan. 21. Oktober 2021. Screenshot.

Space China. China tests world’s most powerful solid-fuel rocket engineChina Daily

North Korea confirms test of submarine-launched ballistic missile – Korea Herald

Diplomacy US-ASEAN. Opinion: The US and Southeast Asia: Deepening partnerships and tackling shared challengesJakarta Post

Indo-Pacific Nepal. Opinion: The Nepal factor in the Indo-Pacific strategy – The Kathmandu Post

China + Taiwan + Hong Kong:

EU, US send wrong signals on Taiwan, risking miscalculation. ‘Dangerous chorus’ only prompts tougher response from mainland – Global Times/ China

Singaporean restaurant in Nanjing investigated after listing China’s Taiwan as ‘country’Global Times/ China

Beijing police name pianist Li Yundi in prostitution caseJapan Today

16 more Hong Kong democratically-elected district councillors ousted over loyalty oaths, as democrats left in the minority.  Only around 16 percent of the pro-democracy district councillors elected in 2019 are left in office. Among those unseated on Thursday – without explanation – was Roy Kwong. – Hong Kong Free Press

Domestic Politics:

Election Japan. Decades of stagnant wage growth put economic policies in election spotlight – The Japan News

The Irrawaddy. 21. Oktober 2021. Screenshot.

Myanmar Crisis:

Myanmar Amnesty Ends in Tears as Regime Rearrests Political Prisoners – The Irrawaddy

Covid-19 + Vaccine + Science:

Tokyo, Osaka to lift nightlife curbs from Monday as virus cases plunge – Japan Today

Business + Economy:

Jobs Malaysia. M’sia facing labour shortageThe Star

Economy Sri Lanka. Central Bank urged to save collapsing local industriesThe Island

Economy Philippines. PH economic recovery fragile, say think tanks – Inquirer 

Aviation Thailand. Thai AirAsia parent seeks to raise US$540m in fresh capital – StanChart – Bloomberg for The Star

Japan Today, 22. Oktober 2021. Screenshot.

Banking + Money:

Weak yen morphs into new threat to Japan with surging energy costs – Japan Today

Banking Asia. Citigroup Asia retail units set to attract DBS, UOB, StanChart – Bloomberg for The Straits Times

Finance China. Financial sector urged to shun potential risksChina Daily

Climate + Environment:

Energy China. Amid govt measures, coal output rising to meet energy shortfalls – China Daily

7 in Hong Kong die from bacterial outbreak linked to freshwater fish, as experts caution market shoppers. Health authorities have identified a cluster of 32 cases of infection from a total of 79. Seven have died. – Hong Kong Free Press

Mekong River overfished, under pressure: MRC – Phnom Penh Post

Culture + Life Style + Travel:

Breaking online Chinese nationalist hearts, ‚Fragile‘ goes viral in Taiwan, HKFocus Taiwan

Film Thailand. Thailand to promote its film industry in ChinaThe Nation

Media + Tech:

Alibaba’s Taobao runs into 20-minute system breakdown as presales for Singles’ Day festival kick off – South China Morning Post

Crime + Law + Espionage:

The Chinese business tycoon revealing the secrets of Beijing’s elite – 60 Minutes Australia – 60 Minutes Australia

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Über den Autor

Jürgen Kremb
... ist ein deutscher Autor, Journalist und Auslandskorrespondent, der vorwiegend zu Asien, Menschenrechten und den Sicherheitsdiensten publiziert. Er studierte und lehrte Ostasienwissenschaften (Japanologie, Sinologie, Tibetologie), Volkswirtschaft und Journalismus an der FU Berlin sowie an der Pädagogischen Hochschule in Taipei/ Taiwan. Als Autor schrieb er für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften im deutschsprachigen Raum. Dazu berichtete er für dpa, den Hörfunk und leitete mehr als zwei Jahrzehnte die SPIEGEL-Redaktionsvertretungen in Beijing, Singapur und Wien. Heute lebt Jürgen Kremb als Berater und Startup-Unternehmer in Wien und meist Singapur, von wo er sich gelegentlich auch für die NZZ und das Handelsblatt meldet.

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