Die Asien-Presseschau – 23. März 2021, 10.00 Uhr

"Stop interfering". Chinas Propanda während des Alaska-Treffens.

Ostasien beschäftigt die Frage, wie sind die Schriftzeichen in dem Bild oben richtig zu übersetzen? Während Chinas außenpolitischer Politbüro-Kommissar Yang Jiechi in Alaska dem US-Außenminister Antony Blinken eine giftige Standpauke hielt, poppten seine Kernaussagen zeitgleich in allen chinesischen Medien auf. Es spricht also für eine gezielte Propagandakampagne, wie sie die kommunistische Partei Chinas stets aus der Mottenkiste holt, wenn sie die eigene Bevölkerung ein Stück mehr Gehirn waschen und nationalistisch trunken machen will.

„Endet die Einmischung in Chinas Innenpolitik“ ist der Standard-Slogan, mit dem die KPCh stets davon ablenkt, dass China beim Thema Menschenrechte und dem Bruch von internationalen Verträgen keine Sonderrolle für Kaiser Xi Jinping und seine korrupten Musketiere zukommt. Direkt übersetzt sagen die sieben Schriftzeichen: Land der Mitte Menschen nicht essen diesen Satz/ Hülse. Auf Deutsch ließe sich der Propagandasager m. E. folgendermaßen am Besten deuten: „Chinesen tanzen nicht mehr nach eurer Pfeife.“ Da der Satz aber meistens nur im Streit herausgebrüllt wird, ist wohl folgende englische Übersetzung angemessen. „We don’t eat your shit anymore.“ Das letzte Zeichen in der Reihe ist auch ein Zählwort für längliche Gegenstände. Deshalb kursierten im Internet wohl falsche und lustig gemeinte Übersetzungen. Z.B.: „Chinese don’t eat Durex.“

Witzige Sinologismen, die aber nicht darüber hinwegtäuschen können, dass das Regime Xi mit nationalistischer Großmannssucht die Welt in einen weiteren Kalten Krieg treibt. Die nächsten Opfer könnten möglicherweise 24 Millionen Taiwaner sein, die sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten die erste wirkliche Demokratie im chinesischen Sprachraum erkämpft haben… und die Welt, besonders der kranke Mann, bzw. die abgewirtschaftete Mutti Deutschland sieht tatenlos zu, ja beschwichtigend sogar. Dabei steht die Welt vor einer Zeitenwende, nur vergleichbar mit dem Desaster des „Münchner Abkommens“. Welche Rolle Xi spielen wird, ist keine Frage mehr.

Warum Xi Jinpings Politbürogarde korrupt ist? Der Autor dieser Zeilen stand selbst schon vor der Protzvilla von Xi Jinpings Schwester in Hongkong. In der Nachbarschaft kosten die „Einfamilienhäuser“ 50 Millionen US$ aufwärts. Doch Familie Xis Haus ist das größte in dem streng bewachten Areal. Yang Jiechi, der sich bei dem Alaska-Treffen vor laufender Kamera darüber beschwerte, dass die Amerikaner ihren chinesischen Gästen kein Mittagessen spendierten  (… „Ich musste Instantnudeln essen“), kann es sich leisten, seine Tochter auf amerikanische Privatschulen und Elite-Universitäten zu schicken. Zahlt das Politbüro mittlerweile so gut? Und bricht der nächste Kalte Krieg aus, weil es nichts Ordenliches zu essen gab in Alaska?

Jetzt noch schnell die News-Highlights aus den englischsprachigen Tageszeitungen in Süd–, Südost– und Ostasien sowie anderen Weltregionen: Japaner werden in Südkorea beliebter. Laut Henry Kissinger spielte Pakistan eine Vermittlerrolle zwischen den USA und der VR China. Immer mehr grausame Bilder von fürchterlichen Gemetzeln der Armee in Myanmar an der eigenen Bevölkerung und die Welt sieht fassungs– aber hilflos zu.*

Geopolitics Asia:

Politics China, CPC draws strength from history amid its centenary – China Daily

Relations Japan-South Korea. Survey: 31% of South Koreans have favorable impression of Japan – The Japan News

South China Sea, Chinese ships still at reef near Palawan – AFP chief  Inquirer

Diplomacy Pakistan, Kissinger recognises Pakistan’s role in establishing China-US ties – Dawn

Do Chinese and U.S. chipmakers trying to cut a deal? – China Business in 2 Seconds

Myanmar Crisis: 

Sanctions, EU and US sanctions step up pressure on Myanmar military over coup – Reuters for Straits Times

Asean, Singapore foreign minister to visit Malaysia, Indonesia – Straits Times

Casulties, 4 People have been shot dead in the Mandalay Crackdowns Near Mya Yi Nandar Housing and Residence. A 15-year-old was among the four who were shot dead today. His name was Maung Htun Aung. Zaw Lin Htike (28 years), Ko Win Tun Oo (25 years), and Zaw Zaw (18 years) were also reported to have been shot dead – Eleven Myanmar

50th Day of protests, Photos: Protests in Myitkyina, Hpakant, Mawlamyine, Maw Lu, Mae Za Tike (March 22) 

Rohingya, Ukhiya Rohingya Camp: Massive fire razes homes – The Daily Star

Clubhouse, Myanmar Crisis: What’s Next? – ANN Asia News Network Virtual tonight 

Journey, Opinion: Myanmar: Hope and solidarity in the midst of crisis – Jakarta Post (paywall)

Covid-19:

As state of emergency lifted, crowds trickle back to Japan’s city streets – The Japan News

Big Tech Australia/ South Korea + Energy India + Water:

News India, Opinion: Lesson from AustraliaThe Statesman

Energy India, India reducing dependence on oil import, exploration of oil and gas underway in country – The Statesman

Mekong Delta needs $16.5b over 5 years to foster sustainable development – Vietnam News  

Tech, South Korea to build 2 hydrogen repository facilities – Korea Herald

Wilflife + Gen Z:

Wildlife, Nepal starts counting its one-horned rhinos after six years – Kathmandu Post

Gen Z,Easy money? Gen Z invest online to beat coronavirus woes – Thomson Reuters for Jakarta Post

Laos:

Politics, Former PM elected as state president, former vice president elected as PM Vientiane Times

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Über den Autor

Jürgen Kremb
... ist ein deutscher Autor, Journalist und Auslandskorrespondent, der vorwiegend zu Asien, Menschenrechten und den Sicherheitsdiensten publiziert. Er studierte und lehrte Ostasienwissenschaften (Japanologie, Sinologie, Tibetologie), Volkswirtschaft und Journalismus an der FU Berlin sowie an der Pädagogischen Hochschule in Taipei/ Taiwan. Als Autor schrieb er für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften im deutschsprachigen Raum. Dazu berichtete er für dpa, den Hörfunk und leitete mehr als zwei Jahrzehnte die SPIEGEL-Redaktionsvertretungen in Beijing, Singapur und Wien. Heute lebt Jürgen Kremb als Berater und Startup-Unternehmer in Wien und meist Singapur, von wo er sich gelegentlich auch für die NZZ und das Handelsblatt meldet.

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